Ortsporträt · Gemeinde im Landkreis Oberhavel
Birkenwerder: Wald, Wasser, Autobahn und eine Gemeinde dazwischen
Birkenwerder hat gut 8.000 Einwohner, einen eigenen S-Bahnhof, eine Autobahnanschlussstelle und ein Naturschutzgebiet, das direkt hinter den Gärten anfängt. Diese Kombination erklärt fast alles, worüber hier diskutiert wird.
Der Ort liegt zwischen Hohen Neuendorf im Süden und Borgsdorf im Norden, eingebettet in Kiefernwald und durchzogen von der Briese, einem kleinen Fluss, der dem Tal seinen Namen gegeben hat. Wer zum ersten Mal hier ist, wundert sich über den Kontrast: Innerhalb weniger Minuten wechselt man vom Rauschen der A 10 in einen Erlenbruchwald, in dem man kaum das eigene Handy empfängt. Genau dieser Gegensatz zieht seit über hundert Jahren Menschen an. Schon um 1900 kamen Berliner zur Sommerfrische her, später wurden aus den Wochenendhäusern feste Wohnsitze, und heute ist Birkenwerder ein Ort mit gehobenen Grundstückspreisen und einer Bevölkerung, die stark nach Berlin orientiert ist, sich aber ausdrücklich als brandenburgisch versteht.
Das Briesetal: das eigentliche Kapital der Gemeinde
Das Briesetal ist kein hübsch angelegter Park, sondern ein empfindliches Feuchtgebiet mit Erlenbruch, Quellhängen und Moorböden. Teile davon stehen unter Naturschutz, und der Wanderweg entlang der Briese führt auf Bohlenstegen durch Abschnitte, die man sonst nicht betreten könnte. Das klingt idyllisch und ist es auch, aber der Erhalt kostet Arbeit. Bohlenwege verrotten, Biber verändern den Wasserstand, Stürme legen Erlen quer, und in trockenen Sommern fällt der Grundwasserspiegel so weit, dass der Torf mineralisiert und Kohlenstoff freisetzt. Wer hier mit dem Rad durchfahren will, sollte wissen, dass das auf den schmalen Stegen nicht funktioniert und auch nicht erlaubt ist. Hunde gehören in der Brut- und Setzzeit an die Leine, und zwar nicht aus Prinzipienreiterei: Bodenbrüter im Feuchtgebiet haben keine Chance, wenn regelmäßig ein Hund durch das Röhricht läuft. Wer die Strecke ruhig erleben will, geht früh am Morgen. Nachmittags an einem sonnigen Wochenende ist das Tal voll mit Ausflüglern aus Berlin, die mit der S1 anreisen.
Naherholung, die man zu Fuß erreicht
Der Ort lebt von kurzen Wegen. Die folgende Übersicht zeigt, was Einheimische tatsächlich nutzen und wofür man Zeit einplanen sollte.
| Ziel | Was einen erwartet | Hinweis |
|---|---|---|
| Briesetal | Bohlenwege, Erlenbruch, Quellbereiche, sehr ruhig am Vormittag | Nur zu Fuß, festes Schuhwerk, Hunde anleinen |
| Boddensee | Kleiner See mit Gastronomie, Treffpunkt für Feiern und Veranstaltungen | An Feiertagen früh reservieren |
| Havelkanal und Oder-Havel-Kanal | Flache Radstrecken Richtung Oranienburg und Velten | Wenig Schatten, im Hochsommer unangenehm |
| Kiefernwald Richtung Borgsdorf | Sandwege, Pilze im Spätsommer, Anschluss an den Mauerweg | Waldbrandgefahr beachten, Rauchverbot |
Verkehr: gute Anbindung mit Nebenwirkungen
Birkenwerder liegt an der S1 und wird zusätzlich von Regionalzügen bedient, was den Ort für Pendler attraktiv macht. Der Bahnhof ist gleichzeitig ein Nadelöhr, weil sich hier Park-and-ride-Verkehr, Busse, Radfahrer und Fußgänger auf engem Raum begegnen. Wer mit dem Auto zum Bahnhof fährt, sucht ab sieben Uhr morgens länger nach einem Stellplatz als er anschließend im Zug sitzt. Dazu kommt die Anschlussstelle an der A 10, die den Berliner Ring erreichbar macht und dafür Durchgangsverkehr durch den Ort zieht. Lärmschutz ist deshalb ein Dauerthema, ebenso die Frage, wie man Schwerlastverkehr aus den Wohnstraßen heraushält. Bei Baustellen auf dem Ring weicht regelmäßig ein Teil des Verkehrs auf die Ortsdurchfahrt aus, und dann steht Birkenwerder still. Wer in solchen Phasen einen Termin in Berlin hat, nimmt besser die Bahn, auch wenn das Auto vor der Tür steht. Ähnliche Konstellationen kennt man aus Hohen Neuendorf, wo die B 96 dieselbe Doppelrolle spielt.
Kultur, Geschichte und Vereine
Für eine Gemeinde dieser Größe ist das kulturelle Angebot erstaunlich dicht. Kammermusikabende mit professionellen Ensembles finden regelmäßig statt und sind oft ausverkauft, weil der Saal klein ist und sich das Publikum aus mehreren Nachbarorten speist. Wer hin will, kümmert sich früh um Karten. Historisch ist Birkenwerder unter anderem als Wohnort von Clara Zetkin bekannt, deren Haus als Gedenkstätte geführt wurde und bis heute Anlass für Debatten über den Umgang mit der Geschichte der Arbeiterbewegung gibt. Daneben prägen Heilstätten und Sanatorien aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert das Ortsbild, weil die Kombination aus Kiefernluft und Berliner Nähe früh als gesundheitsfördernd galt. Sportlich ist der Ort vor allem über den Verein Grün-Weiß Birkenwerder präsent, dessen Leichtathletikabteilung Kinder ab dem Vorschulalter bis zu Erwachsenen trainiert. Wie überall in der Region gilt: Nachfrage genug, Übungsleiter zu wenig. Mehr dazu steht auf der Seite über Vereine und Termine.
Wohnen im Kiefernwald und die typischen Fehler
Ein Grundstück in Birkenwerder ist meistens sandig, oft mit hohem Kiefernbestand und nicht selten mit einem Haus aus den zwanziger bis fünfziger Jahren darauf. Drei Fehler tauchen dabei immer wieder auf. Erstens wird der Baumbestand unterschätzt: Kiefern werfen Nadeln, wurzeln flach und fallen bei Sturm gern in Richtung der Lichtung, die man gerade geschaffen hat. Zweitens wird bei Sanierungen an der Feuchtigkeit gespart. Alte Häuser hier haben häufig keine funktionierende Horizontalsperre, und eine frisch gedämmte Innenwand über feuchtem Mauerwerk führt binnen zwei Wintern zu Schimmel. Drittens wird die Grundstücksentwässerung falsch geplant. Sandboden versickert gut, bis er es nicht mehr tut, weil eine Lehmlinse darunter liegt. Ein Bodengutachten kostet einen Bruchteil dessen, was ein abgesoffener Keller kostet. Wer neu baut, sollte außerdem prüfen, ob das Grundstück im Randbereich eines Schutzgebiets liegt, weil dann Auflagen zu Beleuchtung, Zäunen und Versiegelung greifen können.
Was den Ort zusammenhält
Birkenwerder funktioniert über Nachbarschaft, nicht über Verwaltung. Die Feuerwehr ist freiwillig, Schulfeste werden von Eltern getragen, der Adventsmarkt lebt von Vereinen, und wenn im Winter eine Eisdecke auf den Gewässern liegt, sind es Anwohner, die als Erste merken, wenn etwas nicht stimmt. Solche Fälle hat es gegeben, etwa nach langen Frostperioden mit Schneeauflage, wenn der Sauerstoff im Wasser knapp wird und Fische sterben. Wer dann auf Zuständigkeiten wartet, wartet lange, weil Eigentum, Pacht und Verantwortung bei Gewässern selten in einer Hand liegen. Aus solchen Situationen entstehen die Diskussionen, die dieses Portal dokumentiert. Sie sind unbequem, gehören aber zum Ort dazu, genauso wie die Nachbargemeinden im Glienicker und Mühlenbecker Raum, mit denen Birkenwerder Schulwege, Sportstätten und Radwege teilt. Wer hier hinzieht, bekommt Wald vor der Tür und ein Netz aus Leuten, die man auf dem Bahnsteig wiedertrifft. Beides schätzt man erst nach dem zweiten Winter richtig ein.