Warum ein eigenes Portal für die Nordbahngemeinden überhaupt Sinn ergibt
Der Berliner Norden hört nicht an der Landesgrenze auf, aber die Berichterstattung tut es meistens schon. Wer in Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn oder im Mühlenbecker Land wohnt, kennt das Problem: Die großen Blätter schauen nach Oranienburg oder gleich nach Potsdam, und was zwischendrin passiert, taucht bestenfalls als Zweizeiler auf. Dabei sind es genau diese Zweizeiler, die den Alltag bestimmen. Eine gesperrte Zufahrt, eine geänderte Öffnungszeit im Rathaus, ein Beschluss über Sportförderung, ein neuer Kreisverkehr an der B 96. Nichts davon ist spektakulär. Alles davon betrifft mehrere tausend Menschen unmittelbar.
Dazu kommt eine Besonderheit dieser Region, die man von außen leicht unterschätzt. Die Orte hier sind keine gewachsenen Dörfer mit klarem Zentrum, sondern in großen Teilen Siedlungen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren als Wochenendkolonien oder Villenviertel entstanden sind. Nach 1990 kam eine zweite Welle: Familien aus Berlin, die Platz suchten, und Rückkehrer, die ein Grundstück in der Familie hatten. Das Ergebnis ist eine Bevölkerung mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an den eigenen Wohnort. Die einen wollen Ruhe und Kiefernwald, die anderen wollen Kitaplätze, Radwege und eine S-Bahn, die morgens nicht überfüllt ist. Beides zusammen ist teuer, und darüber wird in den Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen entsprechend hart gestritten.
Ein weiteres Thema, das hier anders wiegt als anderswo, ist die Geschichte. Die Grenze verlief mitten durch die Nachbarschaft. Bergfelde, Stolpe und Glienicke lagen unmittelbar am Sperrgebiet, Familien wurden getrennt, Straßen endeten abrupt an einer Mauer. Wer heute auf dem Mauerweg unterwegs ist, radelt durch Kiefernwald und merkt an manchen Stellen kaum noch, dass hier bis 1989 Selbstschussanlagen standen. Deshalb wird über Gedenktafeln, Straßennamen und die Benennung von Plätzen in dieser Region regelmäßig gestritten, und zwar nicht aus Formalismus. Es geht darum, wie eine Gemeinde mit Opfern umgeht, die einmal Nachbarskinder waren. Solche Debatten brauchen einen Ort, an dem beide Seiten ausführlich zu Wort kommen, ohne dass ein Redakteur sie auf drei Sätze eindampft.
Wirtschaftlich ist die Lage zwiespältig. Kleine Betriebe, Handwerker, Praxen und Läden halten die Orte am Laufen, konkurrieren aber mit Gewerbegebieten und dem Berliner Angebot. Wer hier eine Dienstleistung anbietet, lebt von Empfehlungen aus der Nachbarschaft, nicht von Reichweite. Genau deshalb sind Firmenmeldungen auf diesem Portal ausdrücklich willkommen, solange sie erkennen lassen, worum es geht, und nicht bloß eine Werbezeile wiederholen. Ein Handwerksbetrieb, der erklärt, warum eine Sanierung in einem Haus von 1936 anders läuft als in einem Neubau, hilft den Leuten mehr als jedes Banner.
Praktisch merkt man den Unterschied an Kleinigkeiten. Ein Ferienkalender, in dem alle Angebote der Vereine an einer Stelle stehen, spart Eltern das Suchen in fünf Schaukästen. Eine Terminübersicht verhindert, dass zwei Konzerte am selben Abend um dasselbe Publikum konkurrieren. Ein Hinweis auf eine Fundfahrradversteigerung erreicht die Leute, die tatsächlich ein Rad brauchen. Nichts davon verändert die Welt, aber zusammengenommen macht es den Unterschied zwischen einem Ort, in dem man wohnt, und einem Ort, in dem man lebt. Dazu kommt der Nebeneffekt, dass Vereine voneinander erfahren und sich gegenseitig aushelfen, wenn eine Halle ausfällt oder ein Übungsleiter kurzfristig abspringt.
Bleibt die Frage, was ein Regionalportal leisten kann und was nicht. Es ersetzt keine Behörde, keine Bürgersprechstunde und keine Gerichtsentscheidung. Es kann aber dafür sorgen, dass Informationen an einer Stelle zusammenlaufen, dass Vereine voneinander wissen und dass eine Stellungnahme nicht im Schaukasten verschwindet. Wer mitmachen will, schickt Text, Datum und Ansprechpartner. Der Rest ergibt sich. Ausführlicher wird es auf den Seiten zu Hohen Neuendorf, Birkenwerder, den Nordbahngemeinden sowie zu Vereinen und Terminen.